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Belauscht: Gedanken zum Betreuungsgeld

Vor einigen Tagen gab es heftige Diskussionen in der Politik, wie die ab 2011 geplante Änderung des Betreuungsgeldes organisiert werden soll. Zur Debatte steht, die Eltern entscheiden zu lassen, ob sie ihr Kind wahlweise in eine Betreuungseinrichtung geben oder alternativ einen bestimmten Betrag (wohl rund 150€) ausgezahlt bekommen. Von einigen Seiten kam der Einwurf, dass man statt der Barauszahlung lieber Gutscheine ausgeben sollte, mit denen die Eltern etwas für das Kind kaufen können.

Die Kanzlerin ist die erste Verfechterin der Bargeldlösung und pocht auf das Gute im Menschen.

Dazu passend durfte ich heute bei meiner verzweifelten Suche nach einer nicht rot gefärbten Weihnachtsmannmütze folgendes Gespräch belauschen:

Situation: junge Familie, er ca. 25-28 Jahre, sie ein paar Jahre jünger, zwei Kinder, beide maximal Vorschulalter. Ort: eine Kik-Filiale, die sich ja selber absoluter Tiefstpreise rühmt. Ob die beiden verheiratet waren oder nur zusammen leben, war nicht zu erkennen.

Er (zu einem der Kinder): "Nimmst du die Jacke hier, die ist billig und du brauchst ja nur eine Jacke."

Dazu muss man noch hinzufügen, dass er eine Windjacke von "Alpha Industries" getragen hat, also "Markensachen".

Wie die finanziellen Verhältnisse der Familie aussehen, kann ich an der Stelle nicht sagen, man soll ja nicht von Äußerlichkeiten schließen. Der Kommentar zur Jacke fördert bei mir jedoch genau die Befürchtungen, die auch andere über eine Barauszahlung des Betreuungsgeldes hegen:

  • Die Kinder bleiben daheim und ihnen fehlt der soziale Umgang mit anderen Kindern.
  • Das Geld kommt nicht bei den Kindern an, weder direkt noch indirekt.
  • Die Eltern bleiben ebenfalls daheim und haben nicht mal die Interaktion (z. B. Erfahrungsaustausch, Kontakte) mit anderen Eltern

Die vielbeachtete Studie der OECD zeigt unter anderem, das Deutschland zwar überdurchschnittlich viel Geld für seine Kinder aufwendet, aber dafür auch überdurchschnittlich viele Kinder in armen Verhältnissen leben. Andere Länder geben das Geld nicht direkt den Eltern sondern sorgen für einen Ausbau von kindergerechten Angeboten.

Zum Glück haben wir noch zwei Jahre Zeit, bis das Thema akut wird. Ich persönlich würde mir einen Ausbau der Kinderbetreuung wünschen. Vielleicht besinnt sich doch der ein oder andere Politiker und hat ein Einsehen, dass Geld alleine die sozialen Probleme nicht löst. Egal ob in Form von Gutscheinen oder von Bargeld.